Alte Abteien und Burgen rundum Edinburgh

Dryburgh bei Edinburgh_co_Nicola de Paoli

Die Scottish Borders südlich von Edinburgh an der Grenze zu England zwischen sanften Tälern und einer malerischen Küste haben schon das Herz von Sir Walter Scott erobert, der hier sein geliebtes Haus Abbotsford baute. Die Region ist auch ein Paradies für Liebhaber von alten Abteien und Burgen. Wie auf einem Gemälde der Romantik liegen sie am Wegesrand und warten darauf, entdeckt zu werden. Gastautorin Nicola de Paoli nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise.

Eine Fahrt durch die Scottish Borders

Sonnenschein begrüßt unsere Fähre in der englischen Hafenstadt Newcastle. Nach einer kurzen Wartezeit fahren wir von Bord. Die Räder rattern über die Gangway der DFDS Fähre. „Links fahren“ denke ich, „immer schön links fahren.“ Wir ordnen uns auf der linken Seite in den Straßenverkehr ein. Das funktioniert so weit ganz gut. Dann der erste Kreisverkehr… Doch auch das klappt überraschend reibungslos. Ich schalte einen Gang hoch. Auf nach Edinburgh.

Willkommen in den Scottish Borders_co_Nicola de Paoli

Alle Wege führen nach Edinburgh

  • Für den Weg in die schottische Hauptstadt gibt es zwei Möglichkeiten: Die Autobahn A1 führt an der Küste entlang. Sie bietet einen schönen Blick aufs Meer, ist vermutlich auch etwas schneller, dafür aber auch oft ziemlich viel befahren.
  • Die etwas gemächlichere Route führt ab Ottoburn über die A68 durch Südschottland und an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbei, die wir nicht verpassen wollen. Dazu gehören die berühmten Abteien und Klöster der Scottish Borders. Die Region südlich von Edinburgh wird Borders genannt. Das liegt vermutlich daran, dass die Grenze (border, engl.: Grenze) nach England nicht weit ist.
  • Eine gut 100 Kilometer lange Rundtour, der Borders Abbey Way, führt zu den bekannten Abteien dieser Region und nach Abbotsford House, der Heimat des Dichters Sir Walter Scott.

Kelso Abbey_co_Nicola de Paoli

Die Abteien von Jedburgh und Kelso

Unsere erste Station ist Jedburgh. Die Abtei wurde 1138 gebaut. Wir schauen uns den Kräutergarten an und machen einen kurzen Abstecher ins Museum. Die Abtei wurde 1545 niedergebrannt und nicht wieder aufgebaut. Von Jedburgh geht es weiter nach Kelso. Die malerische Kleinstadt liegt am River Tweed und die Auslagen in den Geschäften der Innenstadt lassen darauf schließen, dass Kelso die heimliche Hauptstadt der Angler ist, die im River Tweed ihre Angeln auswerfen.

Die Abtei von Kelso liegt fußläufig nur wenige Minuten von der Altstadt entfernt. Kelso Abbey war eine der wohlhabendsten und bedeutendsten Abteien in Schottland. Im 16. Jahrhundert wurde die Abtei angegriffen, stark beschädigt und schließlich im Jahr 1587 aufgegeben.

Kelso_co_Nicola de Paoli

Malerischer Zwischenstop

Unsere nächste Station ist Dryburgh. Auch Dryburgh ist nur noch als Ruine erhalten. Das Kloster liegt in einem alten Park mit großen Bäumen. Direkt vor dem Kloster stehen Picknick-Tische, die zu einer kleinen Pause einladen. Wir beschließen, unsere Brote auszupacken und kurz Rast zu machen. Nur wenige Minuten entfernt fließt gemächlich der River Tweed durch die grünen Wiesen. Es gibt ohne Zweifel Sehenswürdigkeiten, die geschichtlich bedeutsamer sind. Doch wer einen Ort für eine kleine Auszeit sucht, um auf dem Rasen ein Nickerchen zu halten oder zu picknicken, der wird die Stunden in Dryburgh Abbey genießen.

Dryburgh bei Edinburgh Picknick_co_Nicola de Paoli

Abbotsford House

Bei der Weiterfahrt auf der A68 sind in der Entfernung nun die Eildon Hills mit ihren drei markanten Gipfeln zu sehen. Die Römer nannten die Eildon Hills „Trimontium“. Nahe der Stadt Melrose befindet sich Abbotsford House, die Heimat des schottischen Dichters Sir Walter Scott. Einer seiner bekanntesten Romane ist „Ivanhoe“. Das Buch erschien im Jahr 1820. Abbotsford House besitzt eine eindrucksvolle Bibliothek. Das Haus des Schriftstellers wurde vor einigen Jahren aufwändig renoviert und nach längerer Schließung wiedereröffnet.

Abbotsford House in den Borders_co_Nicola de Paoli

Ein Ring aus Burgen um Edinburgh

Die Reise geht nun weiter nach Norden, vorbei an der Stadt Lauder und Thirlstane Castle. Wenige Autominuten später fahren wir an der Ruine von Crichton Castle vorbei. Wie ein breiter Schutzwall legte sich einst ein Ring von Burgen um die schottische Hauptstadt. Wer von Süden aus nach Schottland einfallen und Edinburgh einnehmen wollte, musste an diesen dicken Mauern erst vorbei.

Scotts view_co_Nicola de Paoli

Wir erreichen die Vororte von Edinburgh. Es ist viel Verkehr, der unsere ganze Aufmerksamkeit erfordert. Im Süden von Edinburgh gibt es viele Shopping Center, und es scheint, dass alle Einwohner der schottischen Hauptstadt ausgerechnet heute beschlossen haben, einkaufen zu gehen. Die A68 endet nun an einer breiten Ringstraße, die um die Stadt herumführt. Aber wir wollen ins Stadtzentrum und sagen der A68 “Good-bye”.

Die Autorin Nicola de Paoli ist Herausgeberin des Schottland-Magazins.
 

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