Einmal „Citizen“ und zurück – ein Besuch in Manchester

Manchester City Eintrittskarte ins Ethiad Stadium

„Volle Pulle“ Premier League ist am 4. Spieltag im Norden Englands angesagt: Newcastle United empfängt die „Gunners“ (FC Arsenal), West Ham ist im Liverpooler Anfield zu Gast und Manchester City tritt gegen Aufsteiger Watford FC an. Da die Bauarbeiten am mittlerweile ca. 55.000 Zuschauer fassenden Etihad Stadium in Manchester nahezu abgeschlossen sind, wollen wir uns live beim Match von ManCity unbedingt ein Bild von der Fußballkathedrale machen. Hochgradig gespannt sind wir auch auf die Stadt und die Manchesteraner (?!) – ja wie nennen sich eigentlich die Einwohner von Manchester?

Bei diesigem Wetter aber ruhiger See geht es mit der KING SEAWAYS ab dem niederländischen IJmuiden in Richtung Newcastle im Norden Englands. Zehn Minuten und drei obligatorische Schaukler später ist seeseitig völlige Ruhe eingetreten, wir lassen den diesigen Schleier hinter uns und steuern auf dem Sonnendeck einem feurig roten Horizont entgegen. Am Abend haben wir an Bord im Restaurant „Blue Riband“ für uns reserviert – mein Fazit als Stadtkind: ambitionierte à-la-carte Küche mit regionalen Produkten und einem Top-Standard, wenn man bedenkt, dass wir auf einer Fähre sind. Hier kommt von Rinder Tatar bis hin zum Lammfilet erstklassige regionale Produktqualität auf den Teller und spätestens bei der hausgemachten Eiscreme werden aus waschechten Fußballkerlen wieder D-Junioren. Wo sonst Transfers und Schiedsrichter-Entscheidungen mit Inbrunst diskutiert werden, ist man sich nun mehr als einig: Rhabarber ist die beste Sorte.

Manchester City gegen W(h)atford?!

Bis zum Reisebeginn hatte ich noch nie von dem Team in den schwarz-gelben Trikots aus Watford gehört, die man trotz des roten Elches im Logo schlicht „The Hornets“ nennt. Nach einem lautstarken Pubgespräch mit einem waschechten Manchesterer (?!) und zwei Pints später bin ich im Bilde: man hat es hier mit einem notorischen Pendler zwischen Zweitliga und Premier League zu tun, der seine besten Jahre in den 1980ern hatte – also vor meiner Zeit. Dass ich mich auf ein einseitiges Torwandschießen im Kasten der Gäste freuen kann, wird mir an der Theke jedoch lautstark ausgetrieben. Plötzlich ist sich der ganze Pub einig: Übermut tut selten gut! Seitdem Watford im Vorjahr des Meistertitels von Man City nahezu den Einzug der „Skyblues“ ins Finale des FA-Cups vereitelt hat, gilt der Club in der Stadt als ernst zu nehmender Angstgegner.

Diesen Eindruck teile ich nach der ersten Halbzeit im Etihad Stadium ebenfalls: die Manchestner (?!) empfangen die Hornissen bis zum Pausenpfiff mit einer an Angst grenzenden Ehrfurcht. Anders kann ich mir jedenfalls nicht erklären, warum eine Stammelf, die dem amtierenden Meister Chelsea noch vor zwei Wochen eine kräftige Abreibung verpasst hat, es lediglich durch Sergio Agüero’s ideenlose Alleingänge vermag, die Hornissen zu ärgern. Für mich als emotional Außenstehenden das alles völlig unbegründet: was den „Skyblues“ an Raffinesse im Elfmeterraum fehlt, fehlt den „Hornets“ auf dem ganzen Grün und so kommt das Tor von Raheem Sterling in der 47. Minute für mich nicht weiter überraschend, wird von den Citizens aber mit sichtbarer Erleichterung bejubelt. Der Bann scheint gebrochen, das muntere Einschießen auf den schwarz-gelben Kasten beginnt und keine zehn Minuten später versenkt Fernandinho: so gehört sich Fußball für einen Tabellenführer.

Premie League Spiel: Manchester City vs. Watford

Parallel wird über kicker-App auch im heimischen Stadion mitgefiebert – im Etihad mit Free Wifi im ganzen Stadion kein Problem. Derweil im St. James’ Park in Newcastle ist Arsenal durch ein unglücklich abgefälschtes Tor von Colocchini in Führung gegangen. Das Match gegen die „Gunners“ wäre also auch hochgradig spannend gewesen. Newcastle United ist in jedem Falle immer für eine Überraschung gut. Wir können uns in Manchester aber auch nicht beklagen: mit dem 10. Sieg in Folge bricht Manchester City heute einen Rekord, was nicht nur im Stadion mächtig gefeiert wird.

Northern Quarter –  Partymeile zwischen Brit Rock und Brit Chic

Dass Karl Marx und Friedrich Engels im Northern Quarter bereits einen getrunken haben sollen, sagt alles: die beiden Rockstars der industriellen Revolution passen in dieses Viertel genauso wie Oasis, The Smiths und Joy Division, die allesamt in Manchester zu Hause sind. Was bei Tag hippe Läden mit lustigen Gimmicks und Designerkram im typischen Backstein der Jahrhundertwende bedeutet, wird nachts zum angesagten Szenetreff mit Clubs, Bars und Pubs. Wie das obligatorische Schlendern über die Reeperbahn in Hamburg gehört zum Besuch in Manchester also der „Pub Crawl“ im Northern Quarter dazu: so nämlich wird hier eine Kneipentour genannt, wozu gesagt werden muss, dass der Pub Crawl für den Manchesten (?!) erst ab zehn Pubs aufwärts das Prädikat „Crawl“ verdient.

Und so muss unser „Crawl“ aus Sicht eines Manchetten (?!) zwangsläufig wie der Versuch eines Beckenrandschwimmers anmuten, der versucht die Mitte des Beckens zu erreichen. Die Partykultur in Manchester ist ähnlich wie in Newcastle gnadenlos und kennt keinen Morgen. Wer einen langen, ausgelassenen Abend mit Pubs, Bars oder Clubs aller coleur sucht, wird im Northern Quarter definitiv fündig – wer in aller Ruhe einen Abschlussdrink nach dem Abendessen nehmen möchte, sei seelisch darauf vorbereitet, Zeuge eines wöchentlichen Kollektivausbruchs der Manchesteraner (?!) aus dem Korsett britischer Konventionen zu werden. Dabei scheinen Temperaturen und Wetterbedingungen bei der Wahl der Ausgehkleidung eine ausgesprochen kleine bis keine Rolle zu spielen. Ganz gleich, ob es Herbst oder Winter ist: man sieht hier immer die Sommerkollektion! Eines haben wir dann aber tatsächlich noch herausfinden können: die Einwohner Manchesters heißen Mancunians! oder auch verkürzt Mancs!

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